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Das
Sollten Sie wissen. Tipps und Trick zum störungsfreien Betrieb eines
digitalen Audiostudios.
Teil 2
Über
Samplingfrequenz und Wortbreite und ihre Wirkung
auf die Audioqualität
Die Wahl der Samplefrequenz
Die Samplingfrequenz, Abtastfrequenz oder
Samplingrate ist die erste wichtige Kenngröße für
die Qualität des AD/DA gewandelten Signals. Sie drückt aus,
wie viele Messwerte (Samples) pro Zeiteinheit (Sekunde) ermittelt werden.
Dieser Wert ist mitbestimmend für das Aussehen der bei der Wandlung
entstehenden "Treppenstufen" und bestimmt die Breite einer solchen
Stufe.
Warum ist an dieser Wert so wichtig ? An einem einfachen Beispiel lässt
sich dies zeigen. Dazu sehen wir uns eine Grafik an, die den Verlauf der
Kursentwicklung einer Aktie darstellt. Die waagerechte gestrichelte Linie
stellt die untere Grenze dar, ab der wir beim Fallen des Aktienwertes
unsere Anteile wieder abstoßen wollen. Wie wir sehen, ist der Wert
der Aktie kurz unter diese "Schmerzgrenze" gefallen, danach
wieder gestiegen und dann (nachdem wir verkauft hatten) stark gefallen.
Wie der spätere Kursverlauf nach dem kurzen Einbruch zwischen t4
und t5 zeigt, war die Entscheidung zum frühzeitigen Verkaufen also
richtig. So konnten wir das Geld früher wieder für andere, gewinnbringende
Investitionen einsetzen.
Kursentwicklung mit Abfragezeitpunkten
In der zweiten Grafik sehen wir die Kurve, die sich ergibt,
wenn ihr Verlauf aus den in Abbildung 1 eingezeichneten Werten der Abfragezeitpunkte
t1 bis t7 wieder rekonstruiert wird. Das Ergebnis sieht dem Original nur
noch entfernt ähnlich, wichtige Einzelheiten wie z.B. die Senke zwischen
t4 und t5 fehlen. Nach dieser Kurve beurteilt hätten wir unsere Aktien
erst nach dem Zeitpunkt t6 abgestoßen, weil die Kurve erst hier
unter unsere "Verlust-Schmerzgrenze" sinkt.

Aus den Abfragewerten rekonstruierte Kurve
Um mehr Details der Originalkurve zu erfassen wieder herstellen
zu können, gibt es nur einen Weg: Wir müssen mehr Werte erhalten,
also das Original öfter abfragen.
Auf die digitale Audiotechnik übertragen heißt dies, wir müssen
die Samplefrequenz erhöhen.
Wie oft ein Ereignis abgefragt werden muss, um eine befriedigende Rekonstruktion
zu ermöglichen, hängt vom Anwendungsfall ab.
Genügt es zum Beispiel beim Film oder Fernsehen, d. h. optischen
Eindrücken, 24 beziehungsweise 25 Bilder pro Sekunde darzustellen
(24/25 Hz), um unserem Auge eine gleichmäßige und damit analoge
Bewegung vorzugaukeln, verhält sich unser Ohr wesentlich weniger
träge und ist damit deutlich anspruchsvoller.
Um eine natürliche Reproduktion von Schallereignissen zu erreichen,
benötigen wir einen Frequenzbereich, der mindestens von 20 Hz bis
20 kHz reicht.
Das Abtasttheorem nach Shannon
Ein physikalischer Zusammenhang, das nach seinem Entdecker
benannte Abtasttheorem nach Shannon, spielt bei der Wahl der Abtastfrequenz
eine wichtige Rolle. Shannon fand heraus, dass die Abtastfrequenz mindestens
doppelt so hoch sein muss, wie die höchste gewünschte zu digitalisierende
Tonfrequenz. Nur dann kann das Original wieder vollständig hergestellt
werden.
Hier ein kurzes Beispiel, um das Abtasttheorem nach Shannon zu erläutern:
Betrachten wir einen Film, in dem eine sich regelmäßig 12x
pro Sekunde von Schwarz nach Weiß ändernde Farbfläche
aufgenommen werden soll. Wie viele Bilder muss man aufzeichnen, um diese
Änderung zu dokumentieren?
Wenn die Bildwiederholfrequenz 12 Hz beträgt, also 12 Bilder pro
Sekunde aufgenommen werden, wird die Fläche immer schwarz oder immer
weiß dargestellt werden, je nachdem, bei welcher Farbe das erste
Bild aufgezeichnet wurde. Alle höheren Bildwiederholfrequenzen werden
sowohl schwarze als auch weiße Flächen zeigen, die Farbänderungen
finden jedoch nicht regelmäßig statt. Erst wenn die Anzahl
der aufgenommenen Bilder mindestens doppelt so hoch ist wie die Frequenz
des Farbwechsels, in unserem Beispiel also 24Hz beträgt, werden alle
Schwarz/Weiß-Zyklen richtig dargestellt. Man benötigt also
pro analogem Zyklus immer mindesten zwei Abtastungen (Samples), um den
Vorgang eindeutig richtig zu erfassen.
Bei gegebener Abtastfrequenz könnte man umgekehrt auch sagen: Alle
Frequenzen, die größer als die halbe Abtastfrequenz sind, müssen
vom Wandler ferngehalten werden, weil sie nicht richtig gewandelt werden
könnten.
Sie würden bei der Wandlung Störfrequenzen erzeugen. Man erhielte
als Darstellung solcher Frequenzen ein Spiegelbild dieses Signals unterhalb
der halben Abtastrate, die so genannten Alias-Störungen. In der Praxis
werden solche zu hohen Frequenzen deshalb vor der Wandlung durch steilflankige
Filter entfernt. Weil diese Filter Alias- Störungen verhindern, werden
sie auch Anti-Aliasing-Filter genannt.
Ohne sie würde zum Beispiel ein 35 kHz-Ton, der mit 48 kHz abgetastet
wird, einen 13 kHz-Ton (48 kHz -35 kHz = 13kHz) als "Spiegelbild"
oder Alias-Ton erzeugen und damit im Hörbereich eine unschöne
Störung verursachen.
Die Wortbreite und ihre Auswirkungen
Nachdem das analoge
Signal nun mit einer genügend hohen Samplefrequenz abgetastet wurde,
bleibt die Frage, wie groß die Wortbreite des entstehenden Binärwortes
werden soll.
Wie Sie sicher wissen, versteht man unter Wortbreite oder auch
Wortlänge die Anzahl der Bits, aus denen ein digitales Datenwort
besteht. Die zur Verfügung stehende Wortlänge gibt uns Auskunft darüber,
wie genau ein ermittelter Messwert (ein Sample) als Digitalzahl
ausgedrückt werden kann. In der unten dargestellten Grafik kann man leicht
sehen, dass die Wortbreite ein Maß für die Höhe der bei der Wandlung
entstehenden „Treppenstufen“ ist.
Grundsätzlich sind die gezeigten Stufen nicht vermeidbar, sie stellen
sozusagen einen Teil der „Wesens“ der digitalen Audiotechnik dar. Die Höhe
einer solchen Stufe ist also von der Wortbreite abhängig. Sie stellt die
kleinste „Schrittweite“ dar, die sich ausdrücken lässt und wird auch als
Quantisierungsintervall bezeichnet.
Der tatsächliche
analoge Wert kann nie 100%ig richtig dargestellt werden, er liegt irgendwo
innerhalb des Quantisierungsintervalls. Bei der Rückwandlung (der
D/A-Wandlung) wird ein Wert genau in der Mitte des
Quantisierungsintervalls als richtig angenommen, der durch die
Quantisierung zwangsläufig entstehende Fehler wird dadurch halbiert.
Dieser immer entstehende Fehler wird Wandlungsfehler oder
Quantisierungsfehler genannt. Er wird natürlich kleiner, je geringer die
Höhe Treppenstufen ist, also je größer die Wortbreite der Digitalwortes
ist, in das ein analoger Wert umgewandelt wird.
Quantisierungsfehler
äußern sich nach dem Rückwandeln in analoge Signale unter anderem in
Rauschen, sodass die Wortbreite also den bestenfalls möglichen
Fremdspannungsabstand bestimmt. Wenn man andere Störquellen außer Acht
lässt und voraussetzt, dass die zu wandelnde Kurvenform den höchsten noch
möglichen Pegel aufweiset, kann man sagen, dass je Bit Wortbreite
6,02dB+1,76dB Fremdspannungsabstand erreicht werden können, dies ergibt
bei 16 Bit einen bestenfalls erreichbaren Wert von (16x6,02)+ 1,76 dB =
98,1 dB. Dieser theoretische Wert wird in der Praxis allerdings nie
erreicht, warum dies so ist, wird in einer späteren Folge dieser Serie
noch erläutert.

Einfluss von Wortbreite und Samplefrequenz |
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